Heute ist der 07. Juli 2007 oder auch 07/07/07. 2 Jahre nach den Bombenanschlägen in London von fundamentalistischen Terroristen und ein paar Tage nach Anschlagsversuchen in Glasgow und London, gehen an diesem Wochenende in England trotz medialer Panikmache und massiven Sicherheitskontrollen große Spektakel über die Bühne: der Formel 1 GP in Silverstone, der Start der Tour De France ’07 und auch das so genannte „Live Earth“ Konzertfest.
Dieses überstreckt sich über den ganzen Erdball mit Konzerten von New York bis Tokio, von Rio de Janeiro bis Sydney, von London bis Johannesburg. In dieser Serie von Konzerten treten über 150 der größten Stars aus Pop- und Rockmusik auf, die sich damit für die Rettung des Weltklimas einsetzen wollen.
Genau an diesem Punkt möchte ich nun einhaken: Diese ganzen Konzerte mit Aufbau und Equipment werden den Stromverbrauch eines kleineren bis mittleren Staates über ein ganzes Jahr besitzen. Ich finde es zynisch, auf die Erderwärmung hinweisen zu wollen und dabei so viel Strom – der nicht einfach „aus der Steckdose kommt“ – zu verbrauchen, der ja auch irgendwo erzeugt werden muss und damit mehr zur Erderwärmung beiträgt, als wenn diese Konzerte nicht stattfinden würden.
Außerdem ist es ein gutes Geschäft für die Pseudo-„Weltretter“ ála Al Gore, Kevin Wall oder Bob Geldorf, Bon Vox und wie sie alle heißen, die aus ihren riesigen Anwesen kommen, in ihren eigenen Privatjets anreisen und sich in Benzinfressern fahren lassen. Nun ist es an sich ja sehr löblich, sich für die Erde und die Menschen die hier alle leben (sollten) einzusetzen, aber ich denke, dass es naiv wäre, zu glauben, dass diese „ehrenwerten“ Herren die ganze Arbeit ohne irgendeine Gegenleistung machen werden.
Die jungen Menschen, die sich blauäugig bei so etwas beteiligen und eventuell noch viel Geld und Ressourcen für Anreise und Konzertaufenthalt benötigen, kommen einen Tag lang in den Genuss, für eine Sache einzutreten, die eigentlich wichtig wäre. Dumm nur, dass einen Tag danach, alles wieder vorbei ist und der Trott weiterzieht – für die nächste „Weltenrettung“.
Ich fürchte, dass dies die Strömung eines Zeitgeistes ist, den ich nicht besonders mag. Aber ich glaube nicht, dass es reicht, einfach einen schönen Nachmittag bei hoffentlich gutem Wetter und ohne Schwierigkeiten fundamentalistischer Terroristen zu verbringen, und damit wäre die Erderwärmung gestoppt. Damit hab ich insofern ein Problem, weil man nicht einen Tag lang gegen die Erderwärmung ist, am nächsten Tag für Hilfe in Afrika und danach gegen den Ausbau von Kernkraftwerken. Obwohl alle diese Punkte wichtig und von großer Bedeutung sind, können diese nicht tageweise sondern nur in einem stetigen und langwierigen Prozess begleitet werden.
Aber zu glauben, ein Konzertbesuch reicht aus um sich aktiv für eine Sache zu beteiligen, spricht für unsere heutige Zeit: Solche Menschen, die auf ihren „hohen Rössern der Moral“ sitzen und andere verurteilen, bilden sich ein, dass Live Earth wirklich ausreichen würde, andere Menschen und ihre Ansichten oder Vorstellungen zu ändern. Viele Menschen in ihrer Schnelllebig- und Kurzsichtigkeit beteiligen sich da an etwas, was einfach nur eine Show oder zur Selbstdarstellung dient, und glauben, die Sache hätte sich damit erledigt. Nein, noch viel mehr: Sie hätten sich aktiv an dieser Sache beteiligt und geholfen.
An dem Beispiel vom „Gegenkonzert“ während des G8-Gipfeltreffens hat man gesehen, dass die naiven Menschen für Geschäftemacher eingespannt und von diesen abgezockt werden. Aber verändert hat dieses Konzert gar nichts. Es hat eine Plattform und Medienpräsenz für Stars und Menschen geboten, sich selbst eine Art Heiligenschein aufzusetzen. Außer der Gewalt durch die Ausschreitungen von sozialromantischen Fundamentalisten und Gegenwehr der Polizei haben sie bei den Menschen in anderen Teilen der Welt keinen bleibenden Eindruck von dieser Sache hinterlassen.
So wird dies auch bei den Live Earth Konzerten sein. Die Masse will unterhalten werden, aber hat mit den Inhalten und der eigentlichen Idee, dass man wirklich etwas gegen die Klimaerwärmung tun muss, nichts zu tun. Einige wollen einfach ein paar Konzerte genießen und nicht weiter nachdenken. Ja, viele sind sogar gegen eine aktive Teilnahme an solchen Projekten, weil dies ja auch eine Einschränkung persönlicher Freiheiten bedeuten würde: „Viel mitnehmen – aber nichts geben.“ Ich finde es schade für die Welt, dass so viele Menschen auch heute nicht bereit sind, Verzicht zu üben, wenn es die Umstände erfordern würden. Aber ich weiß auch, dass dies eine idealistische Einstellung ist, da auch ich einige Menschen kenne, die glauben: Wieso soll ich auf etwas verzichten, wenn die Anderen das nicht tun? Nur, wenn jeder Mensch so denkt, wird bald keine Erde mehr da sein, um die es sich zu kämpfen lohnen würde.
Ich denke, dass hier der Idealismus auch die Verantwortung bedeutet, mit gutem Beispiel voran zu gehen und deshalb möchte ich diesen Beitrag leisten, in dem ich Computer, den Fernseher und die technischen Geräte an diesem Tag (wieder) ausschalte und so einen wirklichen Beitrag zur Verhinderung der Erderwärmung leiste. Ich werde das Konzert, die Formel 1 und den Start der Tour de France nicht verfolgen, nirgendwo mit dem Flugzeug hinfliegen, sondern einfach meinen Geburtstag feiern, als wäre es ein Tag wie jeder andere.
Christian Muhr, Österreich