Tschernobyl und Auswirkungen auf heutige Klimastrategien

Heute, vor genau 21 Jahren hat sich der größte, zivile Unfall in der Geschichte der friedlichen Nutzung der Atomenergie ereignet. Soweit zur Geschichte, aber Tschernobyl oder die Berichterstattung davon bringt mich doch ein wenig zur Nachdenklichkeit:

Viele der Staaten, die im vergangenen 20. Jahrhundert immer ein großes Unglück in dem Super – GAU (größter, anzunehmender Unfall) gesehen hatten, korrigieren nun die Opferzahlen immer weiter nach unten. Das ist für mich das Trügerische, genauso wie die immer weiter in den Hintergrund gedrängte Berichterstattung über diesen Vorfall, der sich am 26. April 1986 ereignet hatte. Gut, die westliche Welt wurde erst Tage später durch überhöhte Messwerte aus einem nordischen Atomkraftwerk aufgeschreckt, deren Strahlungsniveau weit über den üblichen Messwerten lag. Aber das war die Vertuschungstaktik der damaligen sowjetischen „Regierung“.

Was mich eher erstaunt, ist, was für zynische Formen die (Nicht-) Berichterstattung, um dem Bürger in Zeiten der Klimaerwärmung vorzugaukeln, dass nukleare Anlagen oder Atomkraftwerke Klimaschonende Alternativen wären:

Hier liegt wie immer der Teufel im Detail: Die EU möchte eine Reduzierung der Treibhausgase im Rahmen des Kyoto – Protokolls – ein an sich sehr sinnvoller Beitrag, der von den Amerikanern noch immer nicht ratifiziert wurde – und später in einer weiterführenden Maßnahem durchsetzen. Treibhausgase sind in meiner Definition aber nicht nur der Ausstoß von CO2. Es ist lediglich ein Aspekt eines Ganzen, dass aber gegen die “Wächter der Lobbies” kein Gehör finden wird. Außerdem bekämpft man damit vielleicht die Symptome, aber nicht die Ursachen.

Es mag sein, dass Kernreaktoren für sich betrachtet einen geringeren CO2 - Ausstoß als kalorische Kraftwerke besitzen, aber ich glaube nicht, dass der trügerische Umkehrschluss gelten darf, dass Kernenergie deshalb umweltfreundlicher ist: Die Frage der Endlagerung, der für Millionen von Jahren verstrahlten Abfallstoffe, sowie die Sicherheit von diversen Kraftwerken, die nach altem sowjetischen Standard – „schneller Brüter“ – gebaut wurden, ist noch immer nicht gelöst. Also, muss folglich dieser Aspekt auch in die geführte Umweltdebatte eingebracht werden.

Dies wird aber generell gerne in der Diskussion vernachlässigt, sowie auch die Opferzahlen, der Katastrophe vor 21 Jahren. Da fallen mir genau jene Staaten auf, die gerade in der hitzigen Debatte um Alternativen für die Energiegewinnung des 21. Jahrhunderts, eher eine Richtung „pro Atomkraft“ eingeschlagen haben. Solche Staaten, die nicht nur ihre Kernkraftwerke solange wie möglich betreiben wollen – ein Grund, der für mich im Großen und Ganzen insofern zulässig ist, als die Kosten für den Bau und die Sicherheit verbraucht wurden und sich somit kein Spareffekt einstellen kann, beziehungsweise die Rentabilität des Ganzen nur dann einen Sinn macht, wenn man diese Kraftwerke auch über ihre angesetzte Dauer in Betrieb hält – sondern auch Neue bauen und in Betrieb nehmen wollen.

Argumente, dass die Technik und die Sicherheit immer moderner und ausgefeilter werden, sind für mich kein Thema. Denn Tschernobyl entstand nicht durch einen Fehler der Technik, sondern durch menschliches Versagen während eines Experiments, das eigentlich zur Abschaltung führen sollte.

Deshalb bin ich der Meinung, dass es vermutlich wieder zu einem Unfall in ähnlichem Ausmaß kommen muss, bis sich die Politik der EU, aber auch der Nationalstaaten ändern könnte. Ich möchte keine düstere Zukunftsszenarien beschwören, aber ich glaube, dass uns dieser Vorfall aus der nahen Zeitgeschichte doch zudenken geben sollte, wie wir in Zukunft mit der Umwelt und auch mit dem Planeten umgehen sollen.

Published in: on Donnerstag, 26 April, 2007 at 17:12  Hinterlasse einen Kommentar  
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