Zum Thema Doping

Also ich sehe einige Vergleiche zur Wirtschaftskrise, denn ich denke auch, dass hier nicht nur strukturelle Bedingungen fehlen, sondern es auch der Mentalität der Menschen liegt.
Wo immer Geld zu machen ist, wird es Leute geben, die auf verschiedene Weise zu betrügen und Andere über den Tisch ziehen versuchen, nach dem Motto: “Ohne Geld, ka Musi”.
Das Problem ist bei Semi- und den Profis, dass sie auf Geld, Unterstützung und Sponsoren angewiesen sind, damit sie für Ihre Wettkämpfe vorbereiten, trainieren und bestreiten können. Wenn ich da an den Triathlon-Sport denke, der immer mehr zu einer Materialschlacht verkommt, wird mir oft ganz anders.
Diese ganzen Ausgaben müssen alle getätigt werden, damit man halbwegs “mit dabei sein kann”. Gleichzeitig wird den Zusehern immer neue Rekorde, mehr Wettkampf noch mehr “Fights” versprochen und ich weiß nicht, ob das auf Dauer haltbar ist.
Wenn es beim Schwimmen entscheidend ist, ob man den Anzug des einen Herstellers trägt, wird das natürlich genauso für Aufsehen sorgen bzw. zu der Maßnahme führen, dass alle diese Anzüge tragen, die es sich wieder leisten können.
Hinzu kommt die persönliche Perspektive, dass viele Sportler in ihrem Beruf oder ihrer Berufung dadurch “zum Siegen verdammt” sind, weil sonst Sponsoren abspringen, sie das Haus, dass sie gerade angefangen zu bauen nicht mehr bezahlen können oder die Kreditraten fällig werden.
Wenn es jetzt Leute gibt, die auf Einen zukommen und Dir versprechen, dass Du “mit der Einnahme eines Produkts Höchstleistungen erzielst”, kann ich mir schon vorstellen, dass es Leute gibt, die darauf ansprechen.
Man sieht ja, wie das TV-Werbefernsehen funktioniert und welche vermeintlichen Ratschläge es suggeriert: “Abnehmen ohne Anstrengungen, Vital bis ins Alter, perfekte Figur in nur 10 Minuten täglich…” Hier sieht man, dass der Sportler nicht besser oder schlechter, sondern jeder Mensch davon betroffen sein könnte.
Wo ich oft Bedenken habe, sind die Menschen im halbprofessionellen Bereich, die kaum Kontrollen zu befürchten haben und so “falsche Vorbilder” sind… alles an Zusatz und Leistungssteigerung ist eine Mentalität, die mir zumindest zutiefst widerstrebt.
Der Siegeszug der Technik wird kaum aufzuhalten sein. Wenn es neue Methoden zur Entdeckung gibt, wird es wieder neue Möglichkeiten und Präparate geben, die man (noch) nicht nachweisen kann. Das ganze mutet wie ein eigener Wirtschaftsbereich an.
Insofern denke ich, dass jeder Mensch nur für sich selbst, es besser machen und so vielleicht zu einem “guten Vorbild” werden kann. Aber solange es keine strukturellen Reformen und kein Umdenken gibt, wird es immer wieder zu neuen Aufdeckungen kommen und die Sportstars, die inzwischen viel Geld mit Werbung und Sponsoren gemacht haben, verkünden reumütig und unter Tränen, dass sie nur aus Druck und Leistungsdenken zu diesen Mitteln gegriffen haben…

Christian Muhr, Österreich

Published in: on Mittwoch, 15 April, 2009 at 22:37  Hinterlasse einen Kommentar  
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Neuwahlen in Österreich – Quo Vadis Austria Anno 2008?

Nachdem Wilhelm Molterer am 07.07.2008 mit den Worten “Es reicht” die Koalition mit der SPÖ unter Führung von Werner Faymann aufgekündigt hat, war es mit dem Stillstand der vergangenen 1 ½ Jahre vorerst einmal zu Ende.

Nur Österreich konnte es sich leisten, eineinhalb Jahre eine Regierung zu besitzen, die fürs Nichtstun bezahlt wird. Obwohl „nichts“ gar nicht passiert ist, aber die SPÖ hat es nicht geschafft, Punkte der Regierung, wo sie sich durchgesetzt hat, richtig zu verkaufen. Während die ÖVP es immer wieder schaffte, ihren Kurs, den sie schon unter Wolfgang Schüssel hatte, fortzusetzen. Jegliche Vorschläge wurden zu allererst einmal abgelehnt. Visionen oder Lichtblicke, die Landwirtschafts- und Umweltminister, sowie Regierungskoordinator Josef Pröll mit seiner Perspektivengruppe vorstellte, wurden nur vereinzelt und in abgeschwächter Form weiterdiskutiert, weil man es sich mit der Basis nicht verscherzen wollte.

In der SPÖ wurde inzwischen der Bundeskanzler Alfred Gusenbauer von den eigenen Leuten angegriffen und geopfert, weil er Versprechungen machte, die mit der knappen Mehrheit bei den letzten Wahlen 2006 einfach nicht umsetzbar waren. Außerdem machte ihm seine eigene Form des Humors bei den Mitbürgern Schwierigkeiten, dass die Stimmung kippte. Die ÖVP, die anfangs mit einem Lächeln die Kommentare gegen Alfred Gusenbauer verschlimmerte, sah sich sogar gezwungen, dem Kanzler zur Seite zu stehen und zur Mäßigung zu rufen, was insofern schon ein Unikat war, weil die ÖVP normalerweise jede Möglichkeit ausnutzt, um die SPÖ zu schwächen. Aber es gab durch das Verhandlungsgeschick von Ex-Vorsitzenden Wolfgang Schüssel und dem daraus resultierenden Koalitionsvertrag die Möglichkeit mit einem geschwächten SPÖ Kanzler ein ÖVP Programm soweit durchzusetzen, dass durch Besetzungen des Finanz-, Wirtschafts-, und Innenministeriums keine Schlüsselpositionen der SPÖ auch nur in irgendeiner Form möglich gewesen wären.

Die SPÖ muss sich ihrerseits den Vorwurf gefallen lassen, dass sie für das Bundeskanzleramt auf viele Posten verzichtet hat, die einfach nötig gewesen wären, um die Handschrift der Partei besser zur Geltung zu bringen. Außerdem hat sie es nicht geschafft, ihre Erfolge, die es zweifellos gegeben hat, entsprechend zu kommunizieren.

Durch parteitaktische Spielereien und Animositäten innerhalb der Parteien kam es schließlich soweit, dass die ÖVP die Koalition für beendet erklärt hat.

Nun, wie geht es weiter?

Zur Nationalratswahl am 28. September 2008 treten bundesweit neben den bisherigen Parlamentsparteien ÖVP, SPÖ, FPÖ, BZÖ und die Grünen auch das Liberale Forum (LIF), die Kommunistische Partei Österreichs (KPÖ), die Liste Fritz Dinkhauser, das Forum „Rettet Österreich“ und die Bürgerinitiative „die Christen“ an.

Schwierigkeiten ergeben sich insofern, als zwar viele Plattitüden und plakative Polemik geboten werden, aber es schwer herauszufinden ist, welche Standpunkte die einzelnen Parteien eigentlich vertreten. Vor allem für die Kleinparteien und Bürgerinitiativen wird es schwierig, sich zu profilieren, weil die Medien nur einen kleinen Restbetrag ihrer Aufmerksamkeit auf diese widmen, sondern sich alles auf das Duell zwischen den beiden (Noch-) Großparteien SPÖ und ÖVP konzentriert. Die Standpunkte der Parlamentsparteien können zumindest in den Fernsehdiskussionen etwas herausgearbeitet werden, da diese im ORF zu Wort kommen und es Zweiergespräche zwischen den verschiedenen Vertretern gibt.

Wer sich aber nicht selbst informiert, soweit das überhaupt möglich ist, wird bei der Wahlentscheidung ziemliche Schwierigkeiten bekommen. Das Problem liegt auch darin, dass auch auf den Internetseiten und Homepages der Parteien meist in den Programmen nur Schlagworte zu finden und Unterschiede meist nur mit der Lupe oder in Detailbereichen zu erkennen sind.

Deshalb erscheint in den nächsten Tagen eine Serie zu diesem Thema.

Christian Muhr, Österreich

Published in: on Montag, 8 September, 2008 at 18:44  Hinterlasse einen Kommentar  
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Das Hochwasser in Österreich – die Strafe Gottes für den Papstbesuch?

Trotzdem die Medien sich schon wieder anderen Themen zugewandt und das Hochwasser sowie die Folgen davon schon wieder vergessen haben, möchte ich noch ein paar Anmerkungen zu einem Thema machen, dass mich doch ein paar Tage lang immer wieder zum Nachdenken brachte:

Der älteste Konzern der Welt mit „Tradition“ schickte uns seinen Vorgesetzten oder CEO, wie man in der Sprache der “new economy” sagen würde… und mit ihm Regen und Hochwasser.

Aber vielleicht war es auch ganz gut so, denn dieses „Orgien-Hysterien“ Theater war mehr als unerträglich, mit welcher doppelten Moral und Bigotterie sich viele Menschen dem Papst und den Prozessionen hingaben, welche trotz miserablen Wetters noch genug Leute anzog.

Was mich persönlich allerdings stört, ist die versuchte Einflussnahme und Stellung, die die Institution katholische Kirche mit dem Papst für sich einzunehmen zu versucht. Die Trennung von Staat und Kirche hat zum Glück Europa in weiten Teilen schon lange hinter sich, im Gegensatz zu vielen Staaten im Osten und anscheinend auch in Amerika – wo die Trennung von Staat und Kirche maximal nur mehr auf dem Papier gegeben ist.

Der Papst – Hype wird zum Nacheifern einer Führerfigur, wie ich es mir zu Zeiten des Faschismus nicht anders vorstellen könnte – die röm. kath. Kirche konnte ja sehr gut mit ihnen, denn erst mit den Faschisten und dem Lateralvertrag wurde der Vatikanstaat wieder ein eigenes Reich in gegenseitiger Abhängigkeit mit der Mussolinidiktatur Italien.

Taufschein-Katholiken, “Scheinheilige” und Pseudoreligiöse, die mit der Kirche sonst nie etwas am Hut hatten, wollten sich nun im “Glanzlicht” – welcher Glanz und welches Licht? – „sonnen“ oder so wie Petrus es anscheinend wollte, Wind und Wetter überstehen.

Niemandem ist erlaubt, für sich selbst zu denken, will er doch ein frommer Katholik sein und auch von den Leuten, die laut Papst keiner „wirklichen Kirche im eigentlichen Sinn“ angehören, wird verlangt, diesen Kult mit zu tragen. “Benedetto” – Zwischenrufe während der Liturgie vermittelten eher den Eindruck eines (Superstar-)Konzertes, als einem kirchlichen Ritus.

Demagogen, Rattenfänger und Dogmatiker aus allen Himmelsrichtungen vereinen sich unter dem Banner dieses Papstes um einen Messias zu feiern, der sich gegen die herrschenden Institutionen eigentlich aufgelehnt hatte.

Der Papst versteht es sich in Szene zu setzen: Mit Sagern wie, “Abtreibung ist kein Menschenrecht” tut er genau das, was die Masse von ihm hören möchte. Allerdings wäre es spitzfindig zu behaupten, dass es Recht wäre: Zumal die Abtreibung laut Gesetz nur in den ersten drei Monaten straffrei aber in dem Sinn Unrecht ist; nicht mehr aber auch nicht weniger.

Aber gut, mich stört nicht nur die plötzlich wieder gefundene Frömmigkeit der auf – einmal – wieder – religiösen „Lämmer“ und deren Vertreter der Institution, sondern auch die Kritiker, die oft genauso dumpf wie dumm das “Bashing” von Papst und Kirche betreiben: Die meisten Menschen können nicht normal und überlegt auf das Thema Kirche und “Papa Razi” (re-)agieren, sondern es herrscht eine unglaubliche Polarisierung, die einen Beißreflex von den Pro – Leuten und den Kontras nach sich zieht.

Die Kirche tut viel Gutes, was der Staat nicht (mehr) macht – beispielsweise, sich für den arbeitsfreien Sonntag oder karitative Initiativen einzusetzen, abgesehen zum Beispiel der Aufrufe zur Keuschheit oder der Verteufelung von Abtreibung, Homosexualität (obwohl in der Kirche viel und oft praktiziert – was ist das für ein Zölibat?) und Verhütung, aber auch ich muss eingestehen, dass Menschen aus den Klöstern viel für die Natur und Wissenschaft geschaffen haben. Trotzdem überwiegt in diesem Licht ein mehr als fader und eigenartiger Nachgeschmack, der die Schatten nicht zu verdecken mag.

Die österreichischen Vertreter der römisch katholischen Kirche können gerne einen runden Tisch zum Thema Abtreibung abhalten, aber sie haben weder Recht noch sollten sie den Einfluss haben, dem Staat vorzuschreiben, was er tun soll und was nicht. Dafür ist die Trennung von Staat und Kirche ja eigentlich dar.

Aber es bedrückt mich sehr, wenn sogar praktizierende praktische Ärzte schreiben, dass Leute vor den Abtreibungsstationen für die Neugeborenen „nur beten“ und das Gespräch mit den armen Frauen suchen wollten, die eine sehr schwerwiegende Entscheidung zu treffen hatten. Diese „scheinfrommen“ Menschen betreiben Denunziation und Hetzerei, wie es kaum zu ertragen ist. Ich verstehe Menschen nicht, die eine Frau beschimpfen, die sich aus verschiedenen Gründen eine Schwangerschaft nicht leisten kann und die meisten dieser Frauen werden sich den Schritt sehr genau überlegt haben. Ich weiß nicht, wieso kirchliche Vertreter immer mit dem Argument kommen, dass diese Frauen, solche Entscheidungen übers Knie brechen oder einfach so mal so treffen würden…

So kam der Papst und mit ihm das Hochwasser – was für ein Zeichen soll da den „Gläubigen“ und anderen Menschen wohl gegeben werden?

Christian Muhr, Österreich

Published in: on Freitag, 14 September, 2007 at 22:34  Kommentare (2)  

„Massive Anschlagsversuche in Deutschland“, „Al-Qaida in Österreich“ – die Aufmacher zur Hysterie und Panikmache

Nach der Verhaftung von drei mutmaßlichen Islamisten und der Beschlagnahmung eines Laptops in Wien, hat laut Medienberichten der „Terror“ nun auch in Österreich Einzug gehalten: Die „Franchise-Nehmer von Al-Qaida“ (O-Ton Platter) wurden von 100 Beamten der Spezialeinheit „Cobra“ in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Verfassungsschutz an mehreren Orten von Wien verhaftet, wobei betont wurde, dass die Ermittlungen noch laufen und weitere Aktionen folgen können.

Laut Innenminister Platter hat Fluchtgefahr, aber keine Anschlagsgefahr bestanden. Die drei Muslime der zweiten Generation mit österreichischem Pass hatten ein Drohvideo verbreitet in dem sie Deutschland und Österreich vor Terror warnten, wenn sie ihre Soldaten – Österreich hat 3!! Soldanten in Afghanistan im Einsatz – nicht abziehen würden. „Der Spiegel“ aus Deutschland wusste zu berichten, dass einer der Verhafteten der Chef des deutschsprachigen Version der „Global Islamic Media Front“, einer Art Online-Propaganda Netzwerk war. Diese „Globale Islamische Medienfront“ steht dem Netzwerk der Al-Qaida nahe.

Wie der Innenminister weiters erläuterte, wurden weder Waffen noch Sprengstoff bei den Verhafteten gefunden. Beim 22-jährigen Hauptverdächtigen soll es sich um eine Art „Schläfer“ gehandelt haben, der Trainingscamps in Pakistan oder Afghanistan zur Ausbildung besucht hatte. Diese Meldung wurde aber nicht bestätigt, um laufende Ermittlungen nicht zu gefährden. Immerhin ist er aber derjenige, der das Video produziert und ins Internet gestellt haben soll. Die 20-jährige Frau war anscheinend die Dolmetscherin, weil die anderen beiden nicht die arabische Sprache beherrschten. Der Dritte, ein 26-Jähriger, war der Helfer für das Pärchen. Unter den Verdächtigen soll sich der Maskierte aus dem Video, der die Nachricht verlas, nicht befinden.

Auf ihre Spur kamen die Ermittler nachdem die Terrorvideos gegen Österreich im Internet verbreitet wurden. Mit Hilfe eines „großen Lauschangriffs“ – erste Einführung seit den Franz Fuchs Briefbomben-Ermittlungen – wurden die Verdächtigen so lange es geht überwacht. Diese verfügten über „technische Maßnahmen und modernste Kommunikationsmittel“, wobei betont wurde, dass keinerlei Verbindung zu den in Deutschland verhafteten Islamisten bestanden hatten.

Trotzdem Innenminister Platter zu betonen versuchte, dass es keine Indizien für Pläne terroristischer Anschläge gäbe, waren die Zeitungen heute Morgen voll mit Angst machenden Botschaften und Untertiteln. Wobei Platter gestern Abend noch hinzufügte, das Panikmache falsch wäre, aber auch zu glauben, es wäre alles in Ordnung.

Diese Meinung kann ich teilen, obwohl es mir vorkommt, als wäre ich einer der Wenigen, der sich nicht durch diese Verhaftungen einschüchtern lässt.

Schon nach den Festnahmen in Deutschland ging ein Raunen durch den Blätterwald und prompt waren die deutschen Staatsbürger laut einer Meinungsumfrage dafür, ihre Rechte zu beschneiden und immer mehr überwacht zu werden. Das wird den deutschen Innenminister Wolfgang Schäuble der CDU natürlich gefreut haben. Tage zuvor hatte er doch die Ankündigung gemacht, künftig per „Trojanern“ via Internet auf die Computer und Festplatten von vermeintlichen Terrorverdächtigen zugreifen zu wollen. Außerdem finde ich die Optik eigenartig, dass kurze Zeit, nachdem Schäuble seine Pläne angekündigt hatte, Verdächtige festgenommen wurden, die Anschläge geplant haben sollen. Diese Terroristen wurden bei einer Führerschein-Routinekontrolle entlarvt, weil sie von der Polizei wegrannten und sind nicht so verhaftet worden, wie man das aus den Serien des Vor- und Hauptabends zu kennen glaubt. Außerdem hieß es weiter, dass die Kanister mit den für Sprengstoff notwendigen Chemikalien, mit denen die Anschläge verübt werden sollten, längst ausgetauscht wurden. Was mich darin bestärkt, dass diese Verhaftung nicht nur zeitlich sehr gut platziert, sondern auch in den Verlauf der Diskussion passte. Die Bevölkerung schrie auf und fühlte sich nicht mehr sicher, und der deutsche Innenminister hatte ein „Gegenmittel“ parat, „mit dem alles Böse und jegliche Terroristen für immer beseitigt werden konnten“.

Auch in Österreich gibt es solche Gedanken: Innenminister Platter hatte damals schon angekündigt, solche Online-Durchsuchungen prüfen zu lassen und in welchen Fällen dies möglich wäre. So hätte man wieder einen Anlass gefunden, wie damals bei Lauschangriff und Rasterfahndung, um Gesetze zu formulieren, die die Bürgerrechte weiter zu beschneiden drohen. Dieser Fall von Anlassgesetzgebung ist einfach zu viel.

Nun, ich bin froh, dass junge Menschen, die offenbar nicht nur radikales Gedankengut verbreitet haben, sondern auch drauf und dran waren, Erkundigungen über den Bau und die Handhabung von Sprengstoff einzuholen, verhaftet wurden. Aber ich finde auch, dass die Festnahmen zeigen, dass die derzeitigen Ermittlungs-Methoden vollkommen ausreichen und eine Ausweitung wie die derzeit diskutierte Online-Durchsuchung mittels so genannten „Trojanern“ zu weit gehen würde, weil man Probleme mit Bürgerrechten und dem Datenschutz bekommen würde.

Der „große Lauschangriff“ besteht, wie ich noch nicht wusste, aus dem Abhören von Telefonanten und dem Lesen der Emails verdächtiger Personen. Die Frage für mich liegt allerdings im Detail: Ab wann oder wieso ist eine Person verdächtig? Gilt das nur in Terrorfällen oder auch für Andere? Dies wäre auch ein Mittel, um gegen unbequeme Fragensteller oder Querdenker Erkundigungen einzuholen. Hier sind wir anscheinend weiter als unsere deutschen Nachbarn, deren Datenschützer und manch nachdenkender Politiker sich vielleicht noch länger erwehren wird.

Ich glaube nicht, dass die Einschränkung der Bürgerrechte noch mehr „Sicherheit“ bringen wird. Vor allem, können sich die Deutschen und Österreicher glücklich schätzen: Sie sind es doch, die nach dem zweiten Weltkrieg und dem Wegfall der Berliner Mauer beziehungsweise, seit dem Zusammenbruch der Sowjet Union, eine Ära aus Frieden und Sicherheit besitzen, wie sie in letzter Zeit immer seltener wird.

Ich glaube nicht, dass sich Terroristen durch Online-Festplatten-Durchsuchungen von ihren finsteren Zielen abschrecken ließen, aber für das Groß der Bevölkerung würde Freiheit und die Werte, für die die Amerikaner immer Kämpfen woll(t)en, zu einer Kleinod reduziert werden. Wie man am Beispiel Amerika sieht, ist eine Überwachung der Bürger – siehe zum Beispiel Flugdaten inklusive Kreditkarten- und persönlichen Daten – trotzdem nicht ausreichend.

Absolute Sicherheit kann und wird es nie geben, auch wenn das noch so gern jemand behauptet, die/der sich einen „den starken Mann“ – oder mal eine „starke Frau“ – (wieder) wünscht, der/die die Probleme und die Unsicherheit mit einem Wisch beseitigen kann, egal aus welcher Richtung oder aus welcher Ideologie der Terror kommt…  

 

Christian Muhr, Österreich

Published in: on Donnerstag, 13 September, 2007 at 18:48  Kommentare (1)  
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