Vom Regen in die Traufe: Finanzskandale in Österreich
Durch die „vorübergehende Inmitleidenschaftziehung“ des Namens Meinl hat das Unternehmen Meinl European Land (MEL) dem Finanzplatz Österreich wieder einen Schlag verpasst, von dem man nicht weiß, ob sich der Börsenplatz Österreich wieder erholen wird. Die Marke Meinl wurde durch die Turbulenzen inzwischen schwer beschädigt und das Image wird sich in absehbarer Zeit nicht wieder bessern, vor allem, wenn man nicht mit der notwendigen Transparenz an die Aktionäre und Behörden herangeht.
Nachdem die Kurse der Immobiliengesellschaft Meinl European Land weiter gefallen sind, gerät Julius Meinl V. immer mehr unter Druck: Die Finanzmarktaufsicht (FMA) und die Nationalbank (NB) haben Ermittlungen aufgenommen und ausgedehnt, die weitere Anleger erschrecken ließen. Unter anderem wird wegen des Verdachts auf Marktmanipulation und Insiderhandels ermittelt, was nicht nur durch das „geniale Konstrukt“ (O-Ton Meinl), also das Aktienrecht des in Jersey ansässigen Unternehmens gefördert wird.
Die künstlich hochgehaltenen Aktienkurse, die durch nicht vorher angekündigte Rückkäufe der Aktien getätigt wurden erwecken einen genauso schiefen Eindruck, wie Aktien, die eigentlich Zertifikate auf Aktien waren, sowie „Partly Paid Shares“ – Aktien mit Stimmrecht, die um einen Euro Cent im Umlauf sind und 1/3 der MEL - Stimmrechte ausmachen. Zuletzt wurden diese einer Briefkastenfirma namens „Tshela“ zugerechnet, deren Sitz in Aruba auf der Karibik ist – willkommen zum zweiten Teil des Fluchs der Karibik…
Noch immer hat Julius Meinl V. nicht aufgeklärt, wer sich hinter diesen verbirgt, geschweige denn, ob die Briefkasten-Firmen, die diese Stimmrechte teilweise halten auch in Zusammenhang mit der Meinl - Bank stehen.
Transparenz ist zumindest für die Öffentlichkeit noch immer nicht aufgekommen, obwohl Meinl verspricht mit den Beamten zusammenarbeiten zu wollen und in seinem Exklusivinterview immer beteuert hat und um Beruhigung bemüht war. Jeden Tag gab es neue Gründe um die Hysterie der Anleger anzukurbeln. Viele Menschen werden Meinl und Grasser, der ja für Meinl unter der Gesellschaft Meinl International Power arbeitet, diesen Misserfolg „gönnen“ oder sogar wünschen, aber das wäre zu kurz gegriffen. Viel zu groß ist der Schaden für die Wiener Börse und den Prime Market, auf dem dieses Papier, obwohl es den Anforderungen dafür nicht entsprach und dem österreichischen Aktienrecht nicht unterliegt, gehandelt wurde. Trotzdem gab es genug gutgläubige Anleger, die sich durch flotte Werbesprüche „sicher wie ein Sparschwein“ und dem Aussehen bzw. Glamourfaktor der Mitwirkenden blenden haben lassen. Auf der anderen Seite hat es auch Anleger gegeben, die ein gutes Geschäft gewittert haben und seit dem Anfangseinstieg auf der Wiener Börse im ersten Jahr gut 20% Gewinn machten und sich nun um ihren „Gewinn“ betrogen fühlen. Aber viel zu viele AnlegerInnen haben vergessen, dass Aktien nicht immer steigen müssen, sondern auch fallen können.
Aber trotzdem gab es bisher keine Einigung, ob sich die MEL vom obersten Wiener Börsensegment – dem Prime Market – zurückzieht oder nicht. Julius Meinl schloss dies in seinem Interview dezidiert aus. Denn, ein freiwilliger Rückzug könnte als eine Art Schuldeingeständnis gewertet werden, aber auch ein zwangsweiser Ausschluss aus dem Segment könnte Schadensersatzklagen an die Wiener Börse von Meinl nach sich ziehen.
In dies deutete Meinl V. eine Verlagerung der Gesellschaft zurück nach Österreich an, aber vermutlich auch deshalb, weil die Bargeld Reserven längerfristig knapp werden und er deshalb „frisches Geld“ für die Gesellschaft bräuchte. Nach den jüngsten Ereignissen dürfte aber gerade die Beschaffung neuer Mittel für das Unternehmen immer schwieriger werden.
Der Markt zeigt sich in jedem Fall verärgert und die Meinl Aktie rutschte weiter ab, obwohl sie sich am vor dem Wochenende leicht erholen konnte.
Die Kursänderung wurde vor allem dadurch ausgelöst, dass weitere, brisante Details ans Tageslicht kamen: die Verflechtungen zwischen Managern der Meinlbank und deren Töchterfirmen, die in den Vorständen der Meinl Gesellschaften in Jersey sitzen. Bisher konnte man aber keine direkte Kapitalverflechtung mit der MEL nachweisen.
Pünktlich zum Wochenende wurde bekannt, dass Wolfgang Flöttl im Jahr 2005 von der Meinl Bank einen Kredit von Dollar 250,000 bekam, während der Bawag Skandal schon in vollen Zügen anrollte, um damit Aktien der Meinl European Land zu kaufen, die er nach 6 Monaten mit einem stattlichen Gewinn wieder verkauft und den Kredit etwas später vollständig zurückgezahlt hat. Danach berichteten die Medien, dass die Meinlbank für die Meinl European Land eine Reihe von kurzfristigen Darlehen – so genannten Commercial papers – abgewickelt hat, die teilweise für Gesellschaften des Konzerns gezeichnet wurden.
So kam es dazu, dass seit 2005 knappe 10 Mrd. Euro innerhalb der Meinl Gruppe „die Runde machten“. Was vor allem auffällig war, ist die Tatsache, dass diese Anleihen knapp vor Bilanzstichtagen aufgenommen und kurz danach wieder zurückgezahlt wurden, obwohl die MEL damals über große Barreserven verfügte.
Mit dem Wochenbeginn kam zumindest ein wenig Licht in diese berüchtigten „Partly Paid Shares“: Das Management der Meinl European Land besitzt eine Kaufoption und stehen somit in deren Einflussbereich, welche per Vertrag von der Meinlbank – Tochter Meinl Reale Estate Ltd. gemanagt werden.
Während die Behörden die Arbeit aufgenommen haben und Julius Meinl V. mit seiner Gruppe langsam aus den Schlagzeilen kommt, dreht sich das „Rad der Skandale“ weiter und beleuchtet den nächsten Trubel der österreichischen Finanzwirtschaft:
Auch Mirko Kovats, Gründer und Vorstandschef der börsennotierten A-Tec steht wegen des Verdachts auf betrügerische Krida vor Gericht. Die Schadenssumme beträgt: EUR 230,000,–. Wie die Erwartungen auf den Ausgang der Gerichtsverhandlung sind, kann man nicht genau abschätzen.
In jedem Fall hat der Finanzplatz Österreich eine weitere Delle bekommen. Insofern ist man versucht zu denken, wenn man die Medien der letzten Tage verfolgt hat: „Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan - der Mohr hat Schuld, nun kann er gehen.“
Christian Muhr, Österreich
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