
Jörg Haider, BZÖ – Chef und der Landeshauptmann von Kärnten ist im Alter von 58 Jahren in der Nacht nach einem Verkehrsunfall südlich von Klagenfurt ums Leben gekommen. Nach 01:oo Uhr früh in der Nacht auf heute, kam er auf der Loiblpass – Bundestrasse mit seinem Dienstwagen nach einem Überholmanöver von der Straße ab, prallte gegen einen Betonpfeiler und überschlug sich mehrmals. Die Lenkerin, die der Landeshauptmann kurz zuvor überholt hatte, meldete um 01:18 Uhr den Unfall. Trotz seines großen VW Phaeton, als Dienstwagen, war die Wucht durch den Aufprall so groß, dass vom Auto nur ein Wrack übrig blieb. Bei diesem Unfall erlitt er schwerste Verletzungen, im Kopf- und Brustbereich, sein linker Arm wurde fast abgetrennt und die Wirbelsäule dürfte gebrochen gewesen sein. Die eintreffenden Rettungskräfte mussten den Landeshauptmann aus dem Auto befreien, die Vordertüren von Fahrer- und Beifahrerseite fehlten. Als er im Landeskrankhaus in Klagenfurt eintraf, konnte man nur mehr den Tod feststellen. Der Chef des LKH Klagenfurt, Thomas Koperna, sagte, dass Haider, obwohl er angeschnallt war, keine Überlebenschance gehabt hätte. Nach ersten Einschätzungen der Polizei dürfte Haider schneller gefahren sein, als es an der Unfallstelle erlaubt gewesen wäre.
Eigentlich kam der Landeshauptmann von einer Veranstaltung in Velden und wollte nach Hause ins Bärental, um den 90. Geburtstag seiner Mutter am heutigen Tag zu feiern, die bereits Oberösterreich angereist ist.
Jörg Haider hinterlässt seine Frau Claudia und zwei erwachsene Töchter. Am 26. Jänner 2009 wäre er 59 Jahre alt geworden.
So ist auch die Trauer nicht nur unter den BZÖ – Gefolgsmännern sehr groß, sondern auch in ganz Kärnten. Stefan Petzner, Haiders Pressesprecher und Vize BZÖ – Chef, sprach unter Tränen auf der einberufenen Pressekonferenz von seinen Gefühlen, als er von dem Unfall erfuhr. Für sie ist das wie ein Weltuntergang und er habe einen „Lebensmenschen“ verloren.
Ein ähnlicher Kommentar kam auch von Peter Westenthaler, noch BZÖ – Clubchef, dem Haider die Ablöse schon nahe gelegt hatte.
Gerhard Dörfler (BZÖ) übernimmt vorerst die Amtsgeschäfte in Kärnten.
An der Unfallstelle und vor der dem Kärntner Landtag haben Trauernde Kerzen, Blumen und Schreiben niedergelegt. Bei einer Trauersitzung der Kärntner Landesregierung wurde der verstorbene Landeshauptmann gewürdigt und ein Kondolenzbuch aufgelegt, das nun im Landhaus aufliegt. Für morgen ist ein Trauergottesdienst im Klagenfurter Dom angekündigt worden.
Jörg Haider ist wahrscheinlich einer der wenigen Politiker aus Österreich, die über die Landesgrenzen hinaus polarisiert haben. Geboren 1950 in Bad Goisern, in Oberösterreich, begann er seine politische Karriere während seines Studiums der Rechts- und Staatswissenschaften als Vorsitzender des Rings Freiheitlicher Jugendlicher im Jahr 1971. 1979 zog Haider als damals jüngster Abgeordneter für die FPÖ in den Nationalrat ein.
Großes Aufsehen erlangte er am 13. September 1986, als er Norbert Steger bei einem Bundesparteitag in Innsbruck als Vorsitzenden der FPÖ durch Kampfabstimmung ablösen konnte. Mit Hilfe der ÖVP wurde er schließlich 1989 in seiner Wahlheimat Kärnten zum Landeshauptmann gewählt.
Dieses Amt verlor er aber 1991 durch seiner Aussage über „die ordentliche Beschäftigungspolitik“ im dritten Reich und musste bis 1999 warten, ehe er zum zweiten Mal zum Landeshauptmann gewählt wurde.
Im Jahr 2000 war Jörg Haider nach dem Erfolg der Nationalratswahl 1999 mit knapp 27% Zustimmung maßgeblich an der Bildung der schwarz/blauen Koalition von ÖVP und FPÖ beteiligt, was nicht nur national sondern auch international zu Protesten bis hin zu den diplomatischen Sanktionen durch die EU führte. Legendär war die Angelobung durch den damaligen Bundespräsidenten Thomas Klestil (ÖVP), der mit steinerner Mine, die Regierung angelobt hatte. Zuvor mussten Wolfgang Schüssel, Jörg Haider und später auch die Minister eine Deklaration unterschreiben, in der sie sich zu Europa bekannten.
Im Februar desselben Jahres trat dann der Landeshauptmann überraschend als FPÖ – Vorsitzender zurück und überließ mit den Worten „Susanne, geh voran“, den Platz an der Spitze Susanne Riess – Passer, die als Vize – Kanzlerin fortan die Geschicke leitete. Haider war aber nicht nur durch seine Zwischenrufe aus Kärnten immer auch im bundespolitischen Geschehen beteiligt, sondern zog gewiss auch im Hintergrund weiter die Fäden.
2004 wurde er als Landeshauptmann von Kärnten mit leichten Zugewinnen im Amt bestätigt. In diese Periode fiel der Landeshauptmann selbst hauptsächlich durch seinen Besuch bei Saddam Hussein, dem damaligen Diktator des Iraks, dem Besuch bei Lybiens Staatschef Muammar al-Gaddafi und die Freundschaft zu dessen Sohn, sowie durch das Interview mit dem arabischen Nachrichtensenders „Al Jazzera“ auf.
Der Putsch von Knittelfeld 2002 durch die rechtsextreme Basis innerhalb der FPÖ beendete die Koalition auf die gleiche überraschende Weise, wie die Koalition gekommen war. Aber trotzdem konnte Haider mit seinen Gefolgsleuten, hauptsächlich Mitglieder der Regierung, auch ein zweites Mal eine Regierung bilden, was nach langen Streitigkeiten innerhalb der Partei mit der damaligen FPÖ, 2005 zur Gründung des BZÖs als neue Partei führte.
Anfangs belächelt, weil das BZÖ bei Wahlen oft gerade nur über der Eintrittsschwelle lag und dem unermüdlichen Wahlkampfes des Landeshauptmanns von Kärnten zu verdanken war, stieg die positive Berichterstattung und Wahrnehmung erst mit dem Rückkehr an die Parteispitze des BZÖ von Jörg Haider selbst. Nachdem Peter Westenthaler durch ein Verfahrens wegen Falschaussage vor Gericht verurteilt wurde, ließ sich Haider anfangs Zeit, aber übernahm dann doch die Parteispitze für den beginnenden Wahlkampf, den die ÖVP im Juli 2008 mit der Beendigung der großen Koalition vom Zaun brach.
Der Kärntner Landeshauptmann übertraf sich aber selbst und positionierte sich staatstragend in den Diskussionssendungen mit den politischen Mitbewerbern und gab sich volksnahe unter den „normalen“ Menschen. Obwohl er oft (rechts-) populistische Anliegen („Ortstafelfrage“, Abschiebung von vermeintlich straffällig gewordenen Asylwerbern, Abwertung politischer Mitbewerber) vertrat, gelang es ihm wie kaum einen Anderen, sich der Sorgen und Ängste der Menschen anzunehmen. Äußerst sozial eingestellt und durch den Verkauf der Bank Hypo – Alpe – Adria, mit einem aufgebesserten (Wahlkampf-) Budget aufgestellt, setzte er sich durch den Beschluss von weitgehenden Sozialleistungen im Land Kärnten für Familien und Bedürftige ein. Er gewann aber auch Zustimmung dadurch, dass er nunmehrigen Feinden aus der FPÖ nicht ablehnend gegenüberstand, sondern sie offen empfing und Teilen von ihnen sogar eine neue Heimat in seiner Partei bot.
Mit einem neuen Coup, landete er bei den Nationalratswahlen im September 2008 überraschend mit knapp 10,7% auf dem vierten Platz noch vor den Grünen. Dies war ein Sieg, den der Landeshauptmann hauptsächlich eingefahren hat, obwohl er selbst kein Nationalratsmandat annehmen wollte.
In der Phase von möglichen Koalitionsverhandlungen und Gesprächen unter den Parteien, ermöglichte Haider sogar eine Annäherung zu Heinz – Christian Strache von der FPÖ, ein vehementer und erbitterter Gegner, der ehemaligen Feinde. Diese trafen sich erst vor kurzem zu einem Gespräch in Straches Parteibüro und waren sich danach deutlich näher als zuvor.
Sein ganzes Wirken wurde durch den Autounfall von heute Nacht schneller beendet als man gedacht hätte. Quer durch alle politischen Parteien und trotz politischer Differenzen, wurde Jörg Haider als prägender Politiker der letzten Jahre seit Bruno Kreisky gewürdigt. Vor allem die Bevölkerung trauert um ihren Volkshelden, dessen Ableben nun ein tiefes Loch in die Herzen der Menschen gerissen hat.
Zuerst einmal sollte das Mitgefühl der trauernden Familie, seinen Kindern und seiner Mutter gehören, aber auch den Weggefährten und Freunden in diesen schweren Stunden.
Seine Tätigkeit als Mentor und Ziehvater diverser BZÖ (Jung-) Politiker wird durch seine Handschrift geprägt sein. Wie es danach mit den Weggefährten und dem BZÖ weitergehen, wird sich erst nach und nach zeigen. Aber das ist an einem Tag wie heute, sicher nicht so wichtig, wie der Schicksalsschlag, der in der Nacht auf heute stattgefunden hat…
Christian Muhr, Österreich